Die Universität Paderborn verabschiedete Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies mit einer Fachtagung und einem Festkolloquium zum 1. März 2026 in den Ruhestand – nach über zwei Jahrzehnten Tätigkeit in der Haushaltswissenschaft und in der Fachdidaktik Hauswirtschaft. Das Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit richtete das Festkolloquium „Bildung für private Lebensführung – eine fachdidaktische Herausforderung“ aus. In den Grußworten und Vorträgen zeigte sich die breite Expertise von Kirsten Schlegel-Matthies in den Bereichen Verbraucherforschung, Verbraucherpolitik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Geschichte der haushaltsbezogenen Bildung sowie der Entwicklung von Curricula für die Ernährungs- und Verbraucherbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Der Fokus der Fachtagung lag auf der Betonung der Relevanz der Fachdidaktik für eine professionsorientierte Lehrkräftebildung sowie der Professionalisierung der Lehramtsausbildung an der Universität Paderborn. Hierbei spielte Schlegel-Matthies eine maßgebliche Rolle. Dies umfasste auch die Entwicklung des Faches Hauswirtschaft weg von einer Armen- und Mädchenbildung hin zu einer modernen Ernährungs- und Verbraucherbildung für alle Schülerinnen und Schüler, insbesondere im Kontext des Projekts „REVIS“ (Reform der Ernährungsbildung in Schulen).
Aus historischer Sicht wurde auf den „Neuen Haushalt“ und die sozial verantwortliche Schaffung von Wohnraum im frühen 20. Jahrhundert Bezug genommen, ebenso auf die heutigen Herausforderungen einer nachhaltigen Lebensführung in privaten Haushalten. Ein besonderes Augenmerk lag auf den Schwierigkeiten bei der Regulierung von Online-Marktplätzen, die oft unlautere Methoden nutzen und schwer durchschaubar sind, und damit auf der Verantwortung der Verbraucherpolitik
Bildung im Bereich Konsum, Ernährung und Gesundheit erfordert den Umgang mit Kontroversität. Für eine erfolgreiche Ernährungs- und Verbraucherbildung kommt es also nicht darauf an, vermeintlich „richtiges“ oder „falsches“ Wissen über Essen oder Konsum zu vermitteln. Im Unterricht geht es nicht um Indoktrination, sondern um die Befähigung zur Argumentation und zum reflektierten Urteilen. In den Vorträgen wurde deutlich, dass haushaltsbezogene Bildung einen wichtigen Beitrag zu einer politischen Bildung leistet.
Darüber hinaus ist Verbraucherbildung ohne Verbraucherpolitik und korrespondierender Schulentwicklung nicht denkbar. In einer moderierten Diskussion erörterten Vertreterinnen der D-A-CH-Verbände (HaBiFo Haushalt in Bildung und Forschung Deutschland; TNE Thematisches Netzwerk Österreich; FD-WAH.CH Fachdidaktik Wirtschaft – Arbeit – Haushalt Schweiz), dass Ernährungs- und Verbraucherbildung verbindlich und fächerübergreifend in allen Schulformen und Klassenstufen verankert werden und das bestehende Unterrichtsfach Hauswirtschaft nicht noch weitere Stundenkürzungen erfahren sollte.