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Department Sport & Gesundheit
Inklusion im Sport
Prof. Dr. Sabine Radtke
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Paralympics unter erschwerten Bedingungen

Studie der Universität Paderborn verdeutlicht Belastungen der Paralympics-Teilnehmenden

24.08.2021

Mit einem Jahr Verspätung werden heute die Paralympischen Spiele in Tokio eröffnet. Rund 4.500 Sportler*innen aus 160 Ländern gehen unter besonderen Umständen an den Start. Wie die Olympischen Spiele finden auch die Paralympics ohne Zuschauer*innen statt, mit Ausnahme von japanischen Schulkindern. Schon bei der Vorbereitung auf diesen Höhepunkt hatten die Spitzensportler*innen mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Wegen der Coronapandemie fielen viele Wettkämpfe aus, Trainingsanlagen waren lange geschlossen und nicht immer gab es passende Alternativen. Welche Auswirkungen die Pandemie auf das subjektive Wohlbefinden der Athlet*innen hat und mit welchen Belastungen sie sich konfrontiert sehen, untersuchen Forscherinnen des Arbeitsbereichs Inklusion im Sport an der Universität Paderborn. In einer vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) geförderten Studie haben die Sportwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Sabine Radtke und Dr. Marie Biermann 1.043 Kaderangehörige aus olympischen und paralympischen Sportarten zu Belastungen, Bewältigungsstrategien und Folgen der Coronapandemie befragt. Die Ergebnisse zeigen: Einige Para-Sportler*innen machen sich Sorgen um die eigene Gesundheit und fühlen sich durch den Mangel an Trainingsmöglichkeiten während der Lockdowns nicht optimal auf die Spiele vorbereitet.

Vorzeitiges Karriereende wegen mangelnder Vorbereitungsmöglichkeiten?

36 Prozent der Mitglieder des deutschen Paralympics-Kaders, die an der Paderborner Studie teilgenommen haben, gehören nach eigenen Angaben zur Corona-Risikogruppe, verglichen mit nur vier Prozent der Befragten des Olympia-Kaders. Laut Radtke befürchten die Para-Athlet*innen deshalb, im Falle einer Covid-19-Erkrankung von einem schwereren Krankheitsverlauf betroffen zu sein als Sportler*innen ohne Behinderung. Dies habe im bisherigen Pandemie-Verlauf bei ihnen zu einer starken Verunsicherung geführt.

Auch die Vorbereitung auf die Paralympischen Spiele sei für die Kadermitglieder alles andere als optimal verlaufen. 64 Prozent der Befragten aus dem Paralympics-Kader geben an, bei der Vorbereitung auf die Spiele stärker als Athlet*innen ohne Behinderung von den Auswirkungen der Coronapandemie beeinträchtigt gewesen zu sein. Die Sportler*innen begründen das mit dem eingestellten bzw. stark reduzierten Trainings- und Wettkampfbetrieb im Pandemieverlauf, und den – je nach Behinderungsart – nicht vorhandenen Möglichkeiten eines alternativen Trainings. Marie Biermann erklärt: „Sportler*innen mit Prothesen oder im Rollstuhl konnten ihr Training auf der Tartanbahn oder in der Halle nicht einfach durch Jogging auf unebenem Waldboden ersetzen.“ Doch nicht nur das tägliche Training, sondern auch Trainingslager und Wettkämpfe gibt es seit ca. anderthalb Jahren so gut wie nicht mehr. Die aktuelle Studie der Universität Paderborn macht deutlich, dass 40 Prozent der Sportler*innen, die der höchsten Kaderstufe des Deutschen Behindertensportverbands angehören, in den ersten zwölf Monaten der Pandemie an keinem Wettkampf teilgenommen haben. „Es ist nicht verwunderlich, dass angesichts dieser Umstände 14 Prozent der befragten Paralympics-Kadermitglieder im März 2021 darüber nachgedacht haben, ihre Sportkarriere vorzeitig zu beenden“, resümiert Radtke.

Getrübte Freude angesichts steigender Corona-Zahlen

Knapp ein Drittel der Mitglieder des Paralympics-Kaders, die an der Umfrage teilgenommen haben, sprachen sich im März dagegen aus, dass die Paralympischen Spiele in diesem Jahr stattfinden. Dabei verwiesen sie unter anderem auf die Proteste von Teilen der japanischen Bevölkerung gegen die Austragung der Spiele trotz Pandemie. „Einige Athlet*innen sind der Meinung, dass das Stattfinden der Spiele angesichts des Widerstands der japanischen Bevölkerung nicht gerechtfertigt ist“, so Biermann. Deshalb sei die Freude über die eigene Paralympics-Teilnahme in Anbetracht der steigenden Corona-Zahlen im Land bei einigen Sportler*innen getrübt. Wenige Tage vor der Eröffnungsfeier hat sich die Coronalage in Japan verschlechtert und auch im Paralympischen Dorf gibt es bereits Corona-Fälle. Dazu Radtke: „Bei manchen Paralympics-Teilnehmenden schwingt daher die Angst mit, dass ihnen Ähnliches widerfahren könnte wie dem während der Olympischen Spiele positiv getesteten Radsportler Simon Geschke.“

„Sport für Entwicklung und Frieden“: Forschungsprojekt der Universität Paderborn fokussiert Entwicklungszusammenarbeit durch Sport

05.07.2021

Die aktuell stattfindende Fußball-Europameisterschaft verbindet Menschen weltweit. Dabei machen Regenbogen-Kapitänsbinden, (nicht) beleuchtete Stadien und Kniefälle auch auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam. Wie Sport gesellschaftliche Veränderungen forcieren und als Mittel der Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt werden kann, steht im Zentrum eines Projekts, an dem neben internationalen Partnern auch Wissenschaftler*innen und Studierende der Universität Paderborn beteiligt sind. „Global Sport for Development and Peace Knowledge Collaborative: Using sport as a tool for social change“ (GloKnoCo) – so der Titel des Projekts – zielt darauf ab, durch Sport weltweite Unterschiede in der sozioökonomischen Entwicklung abzubauen sowie Theorie und Praxis besser zu verzahnen.

Das auf drei Jahre angelegte und im Rahmen des EU-Programms ERASMUS+ geförderte Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Arbeitsbereich „Inklusion im Sport“ der Universität Paderborn unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Radtke, der Universität Brighton in England, der Palacký Universität Olomouc in Tschechien sowie verschiedenen internationalen Partner*innen aus dem sozialen Sektor. Im Sinne von „Sport für Entwicklung und Frieden“ untersuchen und erproben sie seit zwei Jahren, wie Sportaktivitäten dabei unterstützen können, Kompetenzen in Bereichen wie Konfliktlösung, Gemeinschaftsbildung oder Inklusion zu vermitteln und die persönliche Entwicklung, insbesondere von benachteiligten Kindern und Jugendlichen, nachhaltig zu verbessern.

Sport als Mittel der Entwicklungszusammenarbeit

Dabei sei der im Projekt fokussierte Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis von besonderer Bedeutung, betont Dr. Marie Biermann, die im Bereich „Sport in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit“ forscht und Verantwortliche des Projekts an der Universität Paderborn ist. „Es ist leider oft so, dass das durch Studien gesammelte Wissen zwar in Fachzeitschriften veröffentlicht, aber mit den Organisationen, die es betrifft, nicht geteilt und praxisnah aufbereitet wird. Dabei ist das Erfahrungswissen der Organisationen immens wichtig, um Ergebnisse einordnen und zum Beispiel Handlungsempfehlungen für eine realistische Umsetzung geben zu können.” Biermann möchte den Studierenden außerdem näherbringen, dass Menschen und Organisationen weltweit voneinander lernen können: „Daher ist es wichtig, von Entwicklungszusammenarbeit und nicht von Entwicklungshilfe zu sprechen. Die Diversität der Teilnehmenden in diesem Projekt ist meines Erachtens ein großer Gewinn: Wir alle können voneinander lernen.”

Aktuell findet die zweite Runde des Projekts online statt. In mehreren Veranstaltungen erwerben die Studierenden aus Deutschland, England und Tschechien neues Wissen aus dem Bereich „Sport für Entwicklung und Frieden“, arbeiten in internationalen Gruppen mit den Kooperationspartner*innen, diskutieren aktuelle Probleme und lernen an verschiedenen Beispielen aus der Praxis, wie Sport zur Lösung gesellschaftspolitischer Herausforderungen beitragen kann. Im März 2022 sollen Studierende aus England und Tschechien sowie internationale Partner*innen aus der Praxis für einen einwöchigen Intensivkurs nach Paderborn kommen. Gemeinsam mit Studierenden der Universität Paderborn wollen sie diskutieren, inwieweit Sport als Mittel der Entwicklungszusammenarbeit genutzt werden kann.

„Von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren“

Für Nicola Scholl, Direktorin und Gründerin von „Play Handball“ war es der Austausch, der sie dazu bewogen hat, im GloKnoCo-Projekt als Praxispartner der Universität Paderborn mitzuwirken. Ihre Organisation „Play Handball“ ist in Südafrika sowie Kenia aktiv und nutzt den Handballsport für die persönliche Entwicklung des Einzelnen sowie für die sozioökonomische und gemeinschaftliche Entwicklung im breiteren Kontext. „Die Zusammenarbeit mit der Universität in Paderborn in dem GloKnoCo-Projekt gibt uns zum einen die Möglichkeit, von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu profitieren, zum anderen hilft uns der Austausch in diesem Netzwerk, unsere Ansätze zu reflektieren und anzupassen. Ich freue mich sehr, dass wir dabei sind, und hoffe, dass diese Zusammenarbeit vor allem zu verbesserten Maßnahmen für unsere Zielgruppe, sprich junge Trainer*innen, Kinder und Jugendliche in benachteiligten Gegenden im südlichen Afrika, beiträgt”, so Scholl.

Weitere Informationen zum Projekt: gloknoco.net

Paralympische Athletinnen und Athleten leiden unter den Folgen der Corona-Pandemie

Studie der Universität Paderborn offenbart langfristige Konsequenzen für den Leistungssport

26.04.2021

Das weltweite Sportgeschehen befindet sich seit nunmehr über einem Jahr im Corona-Modus. Training und Wettkämpfe sind stark eingeschränkt oder gar nicht möglich. Davon betroffen ist auch der Hochleistungssport. Welche Auswirkungen die Pandemie auf paralympische Athletinnen und Athleten hat, steht im Mittelpunkt einer Untersuchung, die von Wissenschaftlerinnen derzeit an der Universität Paderborn durchgeführt wird. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanziert das Forschungsprojekt.

Prof. Dr. Sabine Radtke, Leiterin der AG „Inklusion im Sport“ am Department Sport und Gesundheit der Universität Paderborn, und ihre Wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Marie Biermann haben 138 paralympische Athletinnen und Athleten aus ganz Deutschland zu Belastungen, Bewältigungsstrategien und Folgen der COVID-19-Pandemie seit dem vergangenen Jahr befragt.
Die Online-Befragung, die mit einer erfreulichen Rücklaufquote von 35 Prozent endete, richtete sich an Para-Athletinnen und -Athleten aus allen Sportarten, die Mitglied im Paralympicskader, Perspektivkader, Nachwuchskader, Teamsportkader und Ergänzungskader sind. Rund ein Drittel derjenigen, die an der Studie teilgenommen haben, gehört dem Paralympicskader an. Aus dieser Gruppe werden die zukünftigen Paralympics-Teilnehmenden rekrutiert.

Spürbare Folgen für Leistungsfähigkeit und Motivation

Für die Wissenschaftlerinnen sind zwei Ergebnisse besonders aussagekräftig: Als größte Belastungen während der corona-bedingten Einschränkungen werden die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit bzw. der Wegfall der Wettkämpfe sowie die Aufrechterhaltung der sportbezogenen Motivation empfunden.
Erstaunlich sei, dass 43 Prozent der Befragten angaben, seit dem Beginn der Corona Pandemie im März 2020 an keinem Wettkampf mehr teilgenommen zu haben. „Während des ersten Lockdowns haben 35 Prozent der Befragten tatsächlich überhaupt nicht trainiert“, sagt Prof. Dr. Radtke. „Das hat Folgen für die Fitness und die Motivation gleichermaßen. Den paralympischen Athletinnen und Athleten fällt es schwer, sich ohne ein konkretes Wettkampf-Ziel oder Wettkampf-Höhepunkte zum Training zu motivieren.“ Auch das Training ohne Partnerin oder Partner wird als Problem bewertet. Außerdem werde die eigene Leistungsfähigkeit heute wesentlich negativer eingeschätzt als vor der Pandemie: Im März 2021 sind im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit nur halb so viele Sportlerinnen und Sportler mit ihrer Leistungsfähigkeit voll zufrieden; Ähnliches ist in Bezug auf die mentale Leistungsfähigkeit zu beobachten. Dazu passt, dass sich fast ein Viertel der Athletinnen und Athleten seit Beginn der Pandemie vermehrt nicht-sportliche Freizeitbeschäftigungen gesucht und sich vom Hochleistungssport abgewandt hat. Zehn Prozent der Befragten geben sogar an, aufgrund der Pandemie ihre Karriere vorzeitig beenden zu wollen.

Unklarheit über Spiele in Tokio

Derzeit ist noch nicht final entschieden, ob in diesem Jahr die für 2020 geplanten Paralympischen Sommerspiele in Tokio nachgeholt werden. Die Paderborner Wissenschaftlerinnen interessierte eine Einschätzung der Athletinnen und Athleten zu diesem Thema. 66 Prozent der Befragten befürworten das Stattfinden der Paralympischen Spiele in diesem Jahr, aber 34 Prozent sprechen sich dagegen aus. Auf lange Sicht zeigen sich die Befragten optimistischer: Über 90 Prozent befürworten das Stattfinden der Paralympischen Winterspiele 2022. „Er herrscht eine Unzufriedenheit mit der Situation, aber es gibt auch einen gewissen Durchhaltewillen und die Hoffnung auf bessere Zeiten“, sagt Dr. Biermann.

Nachwuchsleistungssportlerinnen und -sportler in den Blick nehmen

Prof. Dr. Radtke betont, dass es wichtig ist, die derzeitige Lage der Sportlerinnen und Sportler der verschiedenen Kaderstufen differenziert zu betrachten: „Im Gegensatz zu den Angehörigen des Paralympics-Kaders, die in Vorbereitung auf die Spiele in Tokio vergleichsweise „normale“ Trainingsbedingungen vorfinden und an Qualifikationswettkämpfen teilnehmen, sind Nachwuchsleistungssportlerinnen und -sportler teilweise mit großen Hindernissen konfrontiert, ihr gewohntes Trainings- und Wettkampfpensum zu absolvieren. Sie erfahren dadurch nicht nur im internationalen Vergleich, sondern auch gegenüber der nationalen Konkurrenz langfristig Nachteile.“ Vor allem für Nachwuchs-Kadersportlerinnen und -sportler sei es problematisch, dass zu Pandemie-Zeiten in den verschiedenen Bundesländern die Nutzung von Trainingsstätten in unterschiedlichem Ausmaß genehmigt wird. Die Tatsache, dass seit einem Jahr keine Talentsuche und -förderung stattfinden kann, werde weit reichende Konsequenzen im Leistungssport nach sich ziehen.

Unterschiede zu Athletinnen und Athleten ohne Behinderung

Auffällig sei, dass über die Hälfte der befragten Para-Sportlerinnen und -Sportler angeben, zur Corona-Risikogruppe zu gehören.  Zudem bewerten die Befragten ihre eigene Situation anders als die von Athletinnen und Athleten ohne Behinderung. „Über 60 Prozent der Befragten aus dem Para-Sport gaben an, dass Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung im Vergleich zu Sportlerinnen und Sportlern ohne Behinderung im besonderen Maße oder auf eine andere Art und Weise durch die Pandemie betroffen sind“, sagt Dr. Biermann. Welche Unterschiede die Para-Athletinnen und Athleten konkret meinen, wird Thema einer in Kürze startenden Interviewreihe sein. Daraus folgend werden praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Politik und Sport entwickelt.
Zukünftig wollen die Wissenschaftlerinnen auch die Sichtweise von Leistungssportlerinnen und -sportlern ohne Behinderung verstärkt in den Blick nehmen. Im Moment bereiten sie eine weitere Online-Umfrage unter allen Kadermitgliedern aus dem olympischen Sport vor, vom Olympiakader bis hin zum Landeskader. „Wir wollen die Belastungs- und Bewältigungsstrategien der beiden Gruppen zu Pandemiezeiten vergleichen“, sagt Prof. Dr. Radtke. Auch die zweite Studie wird vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanziert und noch in diesem Jahr starten.

Dokumentarfilm gibt Einblicke in das Stützpunktsystem zur Förderung des paralympischen Spitzensports

05.10.2020

Zur Förderung des paralympischen Spitzen- und Nachwuchsleistungssports gibt es in Deutschland ein Stützpunktsystem. Ziel der Paralympischen Trainingsstützpunkte ist es, für Athletinnen und Athleten mit Behinderung optimale Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Leistungssportkarriere zu schaffen.

Dieses viel beachtete Stützpunktsystem steht im Fokus eines kurzen Dokumentarfilmes, der innerhalb der AG „Inklusion im Sport“ am Department Sport und Gesundheit der Universität Paderborn entstanden ist.

Die Federführung hatte die AG-Leiterin Prof. Dr. Sabine Radtke. Gedreht wurde der Film an den Stützpunkten in Cottbus, Hannover und Leverkusen sowie an der Universität Paderborn.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft mit Sitz in Bonn hat das Filmprojekt maßgeblich gefördert.

In dem Film werden die Besonderheiten der drei ausgewählten Stützpunkte thematisiert. Im Rahmen von Interviews kommen sowohl die Stützpunktleitenden als auch Sportlerinnen und Sportler zu Wort.

Prof. Dr. Sabine Radtke und ihre Wissenschaftliche Mitarbeiterin Pia Freier erläutern den Hintergrund ihrer Forschungen in diesem Bereich. Auch hier spielen Interviews eine maßgebliche Rolle.

Der jetzt vorgestellte Film bietet eine anschauliche Zusammenfassung des Projektes und der Ziele. Er ist online auf YouTube abrufbar unter https://youtu.be/_uugZp91LYU

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GloKnoCo 2020

Im Sitzen geht es richtig zur Sache

10.02.2020

Vier Räder, ein Ball und eine große Portion Begeisterung: Alles dies steht symbolisch für eine Veranstaltung der Arbeitsgruppe Inklusion im Sport unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Radtke, die in der Sporthalle der Universität Paderborn stattfand.
Jeweils 90 Minuten lang tauchten zwei Gruppen Studierender in eine für sie unbekannte Welt ein. Im Rahmen der Praxisveranstaltung Rollstuhlbasketball ließen Patrick Moser und Axel Görgens, die unter anderem als Referenten für den Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) tätig sind, die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer an ihren Lebenserfahrungen im Sport und Alltag teilhaben. Im zweiten Teil der Veranstaltung nahmen die Studierenden selbst in den Sport-Rollstühlen Platz und übten hoch motiviert für sie ungewohnte Bewegungsabläufe.
„Es ist uns ganz wichtig zu vermitteln, dass auch beim Rollstuhlbasketball Spaß am Sport mit im Vordergrund steht“, sagte Axel Görgens, der sich seit dem Jahr 1988 dem Rollstuhlbasketball verschrieben hat. Sein Ziel ist klar formuliert: „Ich möchte Menschen mit und ohne Behinderung über den Sport zusammenbringen und Inklusion als Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft verankern.“
Gemeinsam mit Patrick Moser besucht er regelmäßig Schulen und andere Einrichtungen. Im Team bringen sie die Thematik auf unverkrampfte Art näher und verzichten bewusst auf den erhobenen Zeigefinger.
„Ihr seid als Lehrerinnen und Lehrer für eure Schülerinnen und Schüler wichtige Vorbilder und habt die große Verantwortung, Inklusion im Schulalltag zu leben“, sagte Axel Görgens.
An Dynamik gewann die Veranstaltung, als Patrick Moser die Studierenden aufforderte, sich in die bereitstehenden Sport-Rollstühle zu setzen. „Wir trainieren jetzt die Bewegungsgrundlagen und dann wollen wir noch ein paar Bälle in den Körben versenken“, motivierte der Rehabilitations-Wissenschaftler die angehenden Lehrkräfte.
Vorwärtsfahren, bremsen, drehen, rückwärtsfahren – und immer den Basketball im Auge haben: Die Herausforderungen waren nicht eben klein. Aber schnell sprang der Spaß-Funke über: Patrick Moser motivierte die Studierenden und in Teams wetteiferten sie um erfolgreiche Korbwürfe.
Am Ende hatten die Studentinnen und Studenten wertvolle Erfahrungen gesammelt und waren sehr dankbar für die Augen öffnende Praxiseinheit.
„Es ist wichtig, dass sich Lehrkräfte im schulischen Alltag in Schülerinnen und Schüler, die im Sportunterricht benachteiligt werden, hineinversetzen“, sagte Prof. Dr. Sabine Radtke. „Inklusion muss auf allen Ebenen gelebt werden, und es ist unsere Aufgabe, dies immer wieder einzufordern.“
Der Besuch von Patrick Moser und Axel Görgens jedenfalls hat bei den Studierenden nachhaltig Eindruck gemacht.

Inklusion ist an Eliteschulen des Sports kein Selbstläufer

12.11.2019

Erfolgreiche jugendliche Sportlerinnen und Sportler gehören oftmals einem Kader an, in dem sie gezielt in ihrer Sportart gefördert werden. Dies gilt auch für die paralympischen Sportarten. Die Kadermitglieder im Jugendalter stehen im paralympischen genauso wie im olympischen Sport vor der großen Herausforderung, Leistungssport und Schule miteinander zu vereinbaren, ohne dass einer der Bereiche ins Hintertreffen gerät. Unterrichtet werden die jungen Athletinnen und Athleten entweder an Regelschulen oder an so genannten Eliteschulen des Sports.

Eine Eliteschule des Sports ist eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannte Fördereinrichtung, die im kooperativen Verbund von Leistungssportzentren, Schule und Internat Bedingungen gewährleistet, damit talentierte Nachwuchsathletinnen und -athleten sich auf künftige Spitzenleistungen im Sport bei Wahrung ihrer schulischen Bildungschancen vorbereiten können.

Leuchtturmprojekte können Vorbild sein

Das Team des Arbeitsbereichs „Inklusion im Sport“ an der Universität Paderborn hat nun erstmals in Deutschland unter Leitung von Prof. Dr. Sabine Radtke den paralympischen Sport unter besonderer Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Inklusion ist in Sportschulen längst noch kein Selbstläufer. Aber es gibt bereits Leuchtturmprojekte mit Vorbildcharakter. Diese gelte es zu stärken und auf andere Schulen zu übertragen.
„Wir haben zunächst untersucht, wie jugendliche Kaderathletinnen und -athleten aus paralympischen Sportarten, die an Regelschulen oder Eliteschulen des Sports unterrichtet werden, mit der Doppelbelastung umgehen und welche Ressourcen ihnen zur Bewältigung der Anforderungen zur Verfügung stehen“, sagt Prof. Dr. Sabine Radtke. Auf der einen Seite werden Chancen benannt, die die Beteiligten mit dem Besuch der Eliteschule des Sports verbinden. Auf der anderen Seite werden Barrieren aufgezeigt, mit denen die Jugendlichen an Eliteschulen des Sports konfrontiert sind.

Gleichberechtigter Zugang zu den Eliteschulen nötig

Es wird deutlich, dass die Anforderungen im paralympischen und nicht-paralympischen Leistungssport weit weniger unterschiedlich sind, als allgemein angenommen wird. Prof. Radtke: „In unseren Interviews haben erfolgreiche Nachwuchssportlerinnen und -sportler berichtet, dass sie immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass sie im paralympischen Sport hinsichtlich der Trainingsumfänge und -intensitäten weniger leisten, als dies im olympischen Sport der Fall sei. Wir haben aber das Gegenteil festgestellt: Die Anforderungen, die an die Jugendlichen aus dem Para-Bereich gestellt sind, sind mindestens genauso hoch, wenn nicht noch anspruchsvoller! Und genau deshalb ist es so wichtig, dass den Jugendlichen auch der Zugang zu den Eliteschulen genauso wie den Jugendlichen ohne Behinderung gleichberechtigt offensteht.“

Offenheit gegenüber dem Behindertensport angemahnt

Die am Department Sport und Gesundheit durchgeführte Studie hat jedoch zutage gebracht, dass sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Einbindung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderung an Sportschulen Barrieren auftreten. An einigen der 43 Standorte in Deutschland, so berichtet Prof. Radtke, zeigen sowohl Schulleitungen als auch Trainerinnen und Trainer keine ausreichende Offenheit gegenüber dem Behindertensport. Argumentiert werde meist mit fehlender Barrierefreiheit, jedoch liege es meist eher an Unwissenheit und Berührungsängsten gegenüber dem Behindertensport. Darüber hinaus wird in der Studie dargestellt, wie in einigen Fällen Sportschülerinnen und -schüler Jugendliche mit Behinderung ausgrenzen und wie sich diese daraus folgend isoliert fühlen.
Auf der anderen Seite macht Prof. Dr. Sabine Radtke jedoch deutlich, dass es auch gelungene Beispiele für Inklusion im Nachwuchsleistungssport gibt: „Inklusion an Eliteschulen des Sports kann gelingen!“
Dementsprechend liefert die jetzt auch als Buch vorliegende Studie wichtige Impulse für die Sportpolitik.

Das Buch „Inklusion im Nachwuchsleistungssport – Vereinbarkeit von Schule und paralympischem Leistungssport an Eliteschulen des Sports versus Regelschulen“ ist im SPORTVERLAG Strauß, Hellenthal, erschienen (ISBN: 978-3-86884-547-1).
Die Studie wurde gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Sportstudierende bereiten sich auf Freiwilligeneinsatz bei den Landesspielen von Special Olympics NRW in Hamm vor

14.05.2019

Rund 30 Studierende der Universität Paderborn werden im Juni als Volunteers bei den dritten Landesspielen von Special Olympics NRW in Hamm helfen. Der ehrenamtliche Einsatz bei den Wettkämpfen für Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung, die vom 19. bis zum 23. Juni 2019 ausgetragen werden, ist Teil eines Seminars von Prof. Dr. Sabine Radtke. Sie leitet die AG Inklusion im Sport im Departement Sport & Gesundheit und will den Studierenden, die sich auf das Lehramt vorbereiten, Praxiseindrücke verschaffen.

Die Grundlagen erhalten die Freiwilligen im Uni-Seminarraum. Dazu zählte auch der Besuch von Nicolai Herrmann, Unified Sport & Bildung, Special Olympics Deutschland in Nordrhein-Westfalen e.V. (SO NRW), in Paderborn. Er versprach den Studierenden ganz besondere Erlebnisse, die den eigenen Horizont positiv erweitern: „Unsere Athletinnen und Athleten zeigen ihre Emotionen deutlich stärker. Und die Freudentränen bei der Siegerehrung vergisst man nicht, das ist Gänsehaut pur.“

Das bestätigte auch Dr. Rasmus Jakobsmeyer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sportmedizin an der Universität Paderborn und Mitglied im Förderverein Special Olympics Paderborn: „Der Umgang mit den Sportlerinnen und Sportlern macht große Freude und man kann selbst eine Menge von deren Unbeschwertheit lernen.“

2015 wurden erstmals die Landesspiele von Special Olympics NRW ausgetragen; die Premiere wurde in Paderborn gefeiert. Bei der Veranstaltung in Hamm, die zeitgleich mit dem NRW-Landesturnfest des Westfälischen Turnerbundes ausgetragen wird, erwarten die Organisatoren über 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer; davon gehen knapp 1.100 Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung in 13 Sportarten an den Start.

Nicolai Herrmann informierte die Studierenden jetzt in Paderborn über ihre Tätigkeit; sie werden bei den Schwimmwettbewerben eingesetzt und unterstützen die Aktiven auf dem Weg zum Start und begleiten sie bei den Wettkämpfen.

Der NRW-Landesverband von Special Olympics Deutschland ist einer der größten in Deutschland und setzt stark auf das Ehrenamt. Er organisiert rund 50 Veranstaltungen im Jahr; die Landesspiele finden alle zwei Jahre statt. Eine Besonderheit ist, dass alle Sportlerinnen und Sportler nach dem Wettkampf geehrt werden. „Bei uns gibt es keine Verlierer“, macht Nicolai Herrmann deutlich. Gewinnen können aber auch die zahlreichen Ehrenamtlichen: wertvolle Erfahrungen für das eigene Leben und – wie bei den Paderborner Studierenden – für den beruflichen Weg als Lehrerin oder Lehrer.

„Praxis ist für unsere Arbeitsgruppe ganz wichtig“, sagt Prof. Dr. Sabine Radtke. „Und wenn wir die Möglichkeit haben, an einer derart großen Veranstaltung mitzuwirken, ist das eine großartige Chance.“

Die Organisatoren haben noch einige Plätze für weitere Freiwillige frei. Die Anmeldung erfolgt über die Online-Helferplattform: specialolympicsnrw.beepleapp.eu/de

Wir gratulieren!

08.03.2019

Die Arbeitsgruppe Inklusion im Sport (Leitung: Prof. Dr. Sabine Radtke) gratuliert ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Cindy-Adolph-Börs ganz herzlich zur erfolgreich bestandenen Disputation. Herzlichen Glückwunsch!

Wenn die Bordsteinkante zu einer neuen Berliner Mauer wird

03.03.2019

Für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, und Personen mit starker Einschränkung der Sehfähigkeit ist die Infrastruktur einer Stadt oft ein großes Problem. Bordsteine, die kaum zu überwinden sind, oder stille Fußgängerampeln, die allein durch Lichtzeichen funktionieren, sind alltägliche Hürden.
Diese Erkenntnis haben jetzt Sportstudierende der Universität Paderborn in Berlin hautnah gewonnen. Sie unterzogen im Rahmen einer mehrtägigen Exkursion öffentliche Wege und Verkehrsmittel einer Praxisprobe, versetzten sich in die Perspektive der Betroffenen – und hatten dabei auch wenig schmeichelhafte Begegnungen.
Treffen mit Expertinnen und Experten in inklusiven Schulen und aus dem außerschulischen Sport machten hingegen viel Mut. Das Fazit: Es gibt erste gute Ansätze, aber auch noch viel Luft nach oben.

Prof. Dr. Sabine Radtke, Leiterin der AG Inklusion im Sport innerhalb des Departements Sport & Gesundheit der Universität Paderborn, hat die Exkursion konzipiert. Als Berlinerin nutzte sie ihre Ortskenntnisse sowie Kontakte und sorgte bei den Teilnehmenden für zahlreiche Aha-Erlebnisse. „Es ist ein großer Unterschied, Inklusion theoretisch vermittelt zu bekommen oder sie hautnah zu erleben“, macht Prof. Dr. Sabine Radtke deutlich. Sie freut sich darüber, dass auch Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen die Exkursion unterstützten und das Praxiserleben ermöglichten.

„Pfeffersport“ hat unterstützt
Gleich zum Start der Exkursion tauchten die Studierenden in das großstädtische Leben ein. Mit fünf Rollstühlen und einigen Blindbrillen und -stöcken erkundete die Gruppe den Prenzlauer Berg. Dabei mussten einige alltägliche Situationen gemeistert werden. Dazu gehörte der übliche Weg auf dem Bürgersteig und über die Straße ebenso wie die Suche nach dem Zugang zum Supermarkt, das Einkaufen oder die Fahrt mit der Tram. Begleitet wurden die Studierenden vom Rollstuhlbasketballer Christoph Pisarz und Lisa Hübler, die als Vereinsvertreterin von Pfeffersport die Tour ermöglicht hat. Pfeffersport ist Berlins größter Kinder- und Inklusionssportverein mit derzeit über 4.600 Mitgliedern. Er engagiert sich für inklusives Sporttreiben in berlinweiten Projekten und Initiativen.

Viele Schulen gehen mit guten Beispielen voran
Auf dem Programm stand auch ein Besuch der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Moabit. In dieser Gemeinschaftsschule ist längeres gemeinsames und individuelles Lernen von Klasse 1 bis Klasse 13 fest verankert. Sie hat das Ziel, mehr Chancengleichheit und -gerechtigkeit durch längeres gemeinsames Lernen und eine optimale Förderung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten aller Schülerinnen und Schüler zu schaffen. In der Mittelstufe der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule durfte die Paderborner Gruppe u. a. die Kunst-Projektwoche miterleben, bei der Jugendliche mit den Förderschwerpunkten „Geistige Entwicklung“ und „Lernen“ als ein großes Gemeinschaftskunstwerk ein Mosaik-Wandbild gestaltet haben.
Ein positives Beispiel erlebten die Exkursions-Teilnehmenden auch in der Erika-Mann-Grundschule in Wedding. Sie hospitierten im Sport- oder Tanzunterricht und erfuhren, dass die Einbeziehung etwa von Kindern mit Down-Syndrom im Basketball oder beim Tanzunterricht in der übergreifenden Klasse 1-3 erfolgreich praktiziert wird. Die Kinder werden in allen Fächern gemeinsam unterrichtet, eine Trennung nach Leistungsstand findet erst ab Klasse 4 statt.
Sportlich wurde es beim Blindenfußball. Hier zeigten die Spieler der Blindenfußball-Abteilung des Vereins Viktoria 1889 Berlin, wie Menschen mit eingeschränkten Sehfähigkeiten in der Lage sind, zu kicken. Die Orientierung funktioniert hier mit Zurufen und durch die Geräusche des Balls.

Gebraucht werden gute Vorbilder
Im weiteren Verlauf der Exkursion besuchten die Studierenden aus Paderborn die August-Sander-Schule in Friedrichshain. Dies ist eine Berufsschule unter anderem mit sonderpädagogischer Aufgabe. Im Fokus der Studierenden stand zunächst der Sportunterricht. „Der Unterricht war sehr authentisch und der Lehrer hat es geschafft, das komplexe Thema Volleyball mit sehr einfachen Mitteln und individuellen Regeln so zu verändern, dass ein Spiel zu Stande kam“, zeigte sich Prof. Dr. Sabine Radtke beeindruckt.
Zum Abschluss besichtigten die Studierenden noch die Werkstätten der Schule, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre praktischen Erfahrungen sammeln. Es gibt die Möglichkeit, sich in den Bereichen Agrarwirtschaft und Umwelt (Gartenbau, Landwirtschaft, Tierpflege), Gastgewerbe und Hauswirtschaft, Sozialwesen oder Technik mit Farb-, Holz-, Metalltechnik ausbilden zu lassen.
Die zahlreich erlebten guten Beispiele bestätigten die Annahme der Exkursionsgruppe, dass die Inklusion in vielen Bereichen der Ausbildung und im Sport bereits erfolgreich gelebt wird. Maßgeblich für den Erfolg sind aber oftmals einzelne Akteure, die mit guten Ideen und großem Engagement eine Vorbildfunktion haben.


Teilnehmerinnen berichten:

Lena Forell: „Die Exkursion hat mich inspiriert, darüber nachzudenken, mein Referendariat in Berlin zu absolvieren. Ich interessiere mich sehr für alternative Schulformen und habe den Wunsch, später nicht in einer Regelschule zu arbeiten. In Großstädten wie Berlin sind mir dazu viele Möglichkeiten geboten, die ich gerne weiter erforschen möchte. Gerade im jungen Alter erachte ich es als Chance, viele verschiedene Erfahrungen zu sammeln. Mich haben die Brennpunktschulen keineswegs abgeschreckt.“

Miriam Schildwächter: „Als Lehrerin in einer (inklusiven) Schule muss ich mehrperspektivisch handeln, um allen gerecht zu werden. Neben den Rahmenbedingen, die eine zentrale Rolle für die Umsetzung eines inklusiven Verständnisses sind, kommt der Lehrkraft eine tragende Funktion zu, in dem sie ihre Haltung zum Thema Heterogenität klar zeigt. Denn nur, wenn ich und andere Lehrkräfte die Verschiedenheit als eine Chance sehen, kann meiner Meinung nach Inklusion in der Schule gelingen.“

Friederike Schweins: „Für mein zukünftiges berufliches Wirken nehme ich mit, dass jeder Mensch einzigartig ist und es keine homogene Gruppe gibt. Die Schülerinnen und Schüler sollten gemäß seiner oder ihrer Ressourcen gefördert und gefordert werden.
Natürlich sollte ich den Unterricht immer so versuchen zu planen, dass alle Schülerinnen und Schüler an dem Unterrichtsgeschehen teilhaben können. Wenn unvorhersehbare Dinge geschehen, muss ich flexibel mit der Situation umgehen und meine geplanten Unterrichtsvorhaben an die Lerngruppe anpassen.“

Uni-Forschungsprojekt will paralympischen Athletinnen und Athleten Rückenwind geben

30.01.2019

Im Jahr 1960 fanden in Rom die ersten paralympischen Spiele statt. Seither wetteifern Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen alle vier Jahre um paralympische Medaillen. In Deutschland wächst die Bedeutung des paralympischen Sports stetig; mittlerweile gibt es Bundesstützpunkte, die an Olympiastützpunkte angebunden sind und auch mit sonstigen Einrichtungen des Nichtbehinderten-Leistungssports verknüpft sind.
Die Einführung der Bundesstützpunkte im paralympischen Sport wurde bisher nicht wissenschaftlich begleitet. Das ändert sich jetzt: Prof. Dr. Sabine Radtke, Leiterin der AG Inklusion im Sport innerhalb des Departements Sport & Gesundheit der Universität Paderborn, leitet das Forschungsprojekt „Analyse des Stützpunktsystems zur Förderung des paralympischen Spitzen- und Nachwuchsleistungssports“. Gefördert wird die Untersuchung vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft, das zum Bundesministerium des Innern gehört.

Projekt läuft bis 2020
Durchgeführt wird das Projekt von M. Pia Freier, die jetzt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Inklusion im Sport ihre Tätigkeit aufgenommen hat.
„Mich reizt es zu erforschen, welche Veränderungen notwendig sind, um die Athletinnen und Athleten in Zukunft bestmöglich zu fördern“, sagt M. Pia Freier.
Dazu will die 28-Jährige zunächst die bestehenden Strukturen analysieren und alle zur Verfügung stehenden Informationen zusammentragen.
Im nächsten Schritt stehen Interviews mit Expertinnen und Experten – das sind Verantwortliche in den bestehenden Strukturen – auf der Agenda. Abschließend werden im Rahmen von Gruppendiskussionen paralympische Sportlerinnen und Sportler hinsichtlich ihrer Anforderungen an Unterstützung für ihren Spitzensport befragt.
Erste Ergebnisse könnten Ende 2020 nach den XVI. Paralympischen Sommerspielen, die in Tokio stattfinden, vorliegen.

Salzburg – Bochum – Paderborn
M. Pia Freier hat bereits eine bewegte sportwissenschaftliche Laufbahn hinter sich. Zunächst studierte sie Sport- und Bewegungswissenschaft an der Universität Salzburg, wechselte dann innerhalb des Bachelorstudiums an die Ruhr-Universität Bochum (Schwerpunkt Freizeit-Gesundheit-Training). Das Bachelorstudium schloss die gebürtige Fuldaerin im Februar 2016 erfolgreich ab. Von April 2016 bis September 2018 war M. Pia Freier Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Schwimmen an der Sportfakultät Bochum. Parallel absolvierte sie das Masterstudium Sportwissenschaft, Schwerpunkt Sportberatung. Seit Dezember 2018 ist die aktive Wasserballerin Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Inklusion bei Prof. Dr. Sabine Radtke.

Aktionstag Blindenfußball gewährte Studierenden intensive Einblicke

26.06.2018

Aua, das tat weh! Aber nur ein bisschen. Die Studentin Laura reibt sich die Stirn und weiter geht´s. Auch ihre Mitstudentin Jessica hat den leichten Zusammenstoß im fußballerischen Zweikampf ohne Blessuren überstanden. Beide tragen Augenklappenbinden und bewegen sich vorsichtig durch die Sporthalle der Universität Paderborn.
Auf der Agenda steht heute das Thema „Blindenfußball“. Prof. Dr. Sabine Radtke, Leiterin des Arbeitsgebietes „Inklusion im Sport“ an der Paderborner Hochschule, baut gerne Praxiselemente in ihre Lehrveranstaltungen ein. Dass daraus ein ganzer Aktionstag wurde, hat mit einem prominenten Gast zu tun. Die Workshops leitet Marcel Heim, langjähriger Blindenfußball-Bundesligaspieler für Würzburg, ehemaliger Nationalspieler und nun Trainer des hessischen Blindenfußball-Teams Teutonia Köppern. Prof. Dr. Sabine Radtke hat ihn als Referenten für den Aktionstag gewonnen und die Lehrstunden für Publikum geöffnet.
Die Gäste auf der Tribüne erleben vor allem beim Spiel zweier Mannschaften gegeneinander interessante Begegnungen. Der für die Spielerinnen und Spieler unsichtbare Ball verbirgt im Innern eine Rassel. Nur dann, wenn er durch die Halle rollt, wird der Ball hörbar. Die Position der Tore nehmen die Akteure wahr, indem sie dauernde Rufe von sehenden Mitstudierenden, die neben den Toren stehen, hören. Die Spielerinnen und Spieler werden zudem durch „Voy-Rufe“ darauf aufmerksam gemacht, wenn sie sich auf den Ball zu bewegen. Rasseln und Rufen, dazu die Stimmen der Mit- und Gegenspieler: Die Geräuschkulisse hat ihren ganz besonderen Reiz.
Voll des Lobes sind die Studierenden im Anschluss an das Match und den vorausgegangenen Workshop. „Wenn man über den Sport in die Lebenswelt eines blinden Menschen eintaucht, ist das eine Erfahrung, die Inklusion erlebbar macht“, sagt Prof. Dr. Sabine Radtke. „Lehrbuchwissen bietet eine gute Voraussetzung, aber Praxiserlebnisse sind eine wichtige Ergänzung.“
Unter den Teilnehmenden waren in erster Linie Studierende, die später als Lehrerinnen und Lehrer mit der Inklusion konfrontiert werden. Hemmschwellen abbauen und das Zusammenwirken zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung möglich machen erfordern eine gute Vorbereitung. Das Studium an der Universität Paderborn schafft auch in diesem Bereich wichtige Grundlagen.
Zusammen mit ihrem Team hat Prof. Dr. Sabine Radtke den Aktionstag Blindenfußball konzipiert. Die langjährige Erfahrung von Marcel Heim tat ein Übriges. Zahlreiche Aha-Erlebnisse gab es nicht nur bei den Studierenden, sondern auch bei den Gästen, die vor Augen geführt bekamen, dass Sport und Inklusion bestens zusammengehören. Allerdings kommt es immer auf die Sportart an: „Fußball eignet sich aus meiner Sicht gut für blinde Menschen“, sagt Marcel Heim. „Es macht aber keinen Sinn, alle Sportarten aus falsch verstandenem Inklusionswillen für Blinde zu adaptieren.“ Das sei technisch zwar in vielen Fällen möglich, fördere das Miteinander von Menschen mit und ohne Einschränkungen hingegen nicht in jedem Fall.
Und genau dieses Miteinander ist nach Angaben von Prof. Dr. Sabine Radtke ein wichtiges Ziel erfolgreicher Inklusion, die Spaß am Sport einschließt. Das Sporterleben am Beispiel Blindenfußball war ein perfektes Beispiel, das den zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern in guter Erinnerung bleiben wird.
Auch Marcel Heim lobte das „außergewöhnliche Engagement“ des Arbeitsgebietes „Inklusion im Sport“ an der Universität Paderborn: „Sie gehen mit gutem Beispiel voran und bereiten mit Ihren Multiplikatoren den Weg für eine gemeinsame Zukunft. Das ist aller Ehren wert.“

Aktionstag Inklusionssport

07.07.2016

Aktionstag Inklusionssport ohne Grenzen am 5. Juli – ein voller Erfolg mit rund 300 Workshop-Teilnehmern

Am Dienstag, 5. Juli, kamen rund 300 Personen mit und ohne Behinderung zum Aktionstag „Inklusionssport ohne Grenzen“ in die Sporthalle SP1 der Universität Paderborn. Eingeladen hatte die Arbeitsgruppe „Inklusion im Sport“ des Departments Sport & Gesundheit unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Radtke gemeinsam mit dem Hochschulsport der Universität Paderborn. Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) trat als Kooperationspartner auf. Vor Ort konnten die Besucher in zehn verschiedenen Workshops Sportangebote für Menschen mit und ohne Behinderung ausprobieren. Highlight des Abends war unter anderem ein Spiel im Rollstuhlbasketball zwischen den Profis der Ahorn Panthers gegen die Uni Baskets Paderborn.

Den Organisatoren geht es vor allem um die Sensibilisierung für das Thema Inklusion. „Oft haben Menschen Berührungsängste, wenn es um das Thema Behinderung geht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele Menschen keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung haben“, meint Prof. Radtke. „Hier wollen wir ansetzen und durch Maßnahmen wie den Aktionstag Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung schaffen. Ziel ist es, sich über die gemeinsame Leidenschaft zum Sport über vermeintliche Differenzen hinwegzusetzen. Besonders junge Menschen nehmen den Rollstuhl als Sportgerät wahr und gehen so viel unbefangener an das Thema heran. Dieser Perspektivenwechsel, zusammen mit den Emotionen, die beim Sport entstehen, können den Horizont erweitern und den Widerstand in den Köpfen brechen – das ist toll zu beobachten.“

Die einzelnen Workshops wurden so gestaltet, dass es keinen Unterschied macht, ob Menschen mit Behinderungen oder ohne teilnehmen. Michael Overhage, Cheftrainer des TSV Bayer Leverkusen und Co-Trainer der Deutschen Damen-Nationalmannschaft im Sitzvolleyball, begeisterte die Besucher für Sitzvolleyball – eine Sportart, die überwiegend im Behindertensport angeboten wird. „Zum Zeitpunkt des Ballkontaktes muss mindestens ein Teil des Körpers zwischen Schulter und Becken den Boden berühren“, erklärt Overhage.

„Ich freue mich besonders über die vielen Sportlerinnen und Sportler sowie die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Ahorn-Panther, die bei unserem Aktionstag mit großer Begeisterung dabei waren“, so Radtke. „Im kommenden Wintersemester planen wir eine Filmreihe zum Thema „Sport und Inklusion – Ziemlich beste Freunde“, um unser Thema weiter nach außen zu tragen.“

Prof. Dr. Sabine Radtke ist seit Oktober 2015 Leiterin des Arbeitsbereichs „Inklusion im Sport“ am Department Sport & Gesundheit. In Zukunft soll alle zwei Jahre ein Aktionstag zum Inklusionssport an der Universität Paderborn stattfinden.
 

Text: Johannes Pauly

Einladung zum Filmreihe "Sport und Inklusion: Ziemlich beste Freunde!"

19.10.2016 | Nächsten Dienstag, am 25.10.16, startet die Filmreihe "Sport und Inklusion: Ziemlich beste Freunde!" der Arbeitsgruppe "Inklusion im Sport" (Leitung: Frau Prof. Dr. Sabine Radtke). Nähere Informationen sich dem Poster zu entnehmen!

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