Wie erleben gehörlose Menschen Schule, Sport und Gesellschaft? Und was können zukünftige Lehrkräfte daraus für ihre eigene Berufspraxis lernen? Diesen Fragen widmete sich der Gastvortrag von Ricardo Scheuerer aus Berlin am 28. Mai 2026 in der Grundlagenvorlesung von Prof. Dr. Sabine Radtke.
Scheuerer, gehörloser Fußballschiedsrichter und Vizepräsident Kommunikation des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands, gewährte den Studierenden Einblicke in die Lebens- und Sportwelt gehörloser Menschen. Begleitet von zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen berichtete er von seinem persönlichen Werdegang, seiner Tätigkeit als Schiedsrichter sowie von Erfahrungen mit Kommunikation, Teilhabe und Inklusion im Alltag.
Für viele Studierende war die Veranstaltung die erste direkte Begegnung mit einem gehörlosen Menschen. Besonders beeindruckte die Erkenntnis, dass die Deutsche Gebärdensprache eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik, eigenen Ausdrucksformen und regionalen Dialekten ist. Gleichzeitig wurde deutlich, mit welchen Barrieren gehörlose Menschen im Alltag noch immer konfrontiert sind und wie wichtig gesellschaftliche Sensibilität für gelingende Teilhabe ist.
Die Wirkung des Vortrags zeigte sich auch in den anschließenden schriftlichen Sitzungsreflexionen der Studierenden. Viele beschrieben, dass sie erstmals einen unmittelbaren Einblick in die Lebenswelt gehörloser Menschen erhalten hätten und insbesondere die Bedeutung von Gebärdensprache für Identität und Gemeinschaft neu wahrgenommen hätten. Eine Studentin schrieb beispielsweise:
„Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die Erkenntnis, dass Gehörlose nicht einfach nur eine Einschränkung teilen, sondern eine eigene Kultur und Identität haben, die sie mit großem Stolz leben.“
Gerade für angehende (Sport-)Lehrkräfte bot die Veranstaltung wichtige Denkanstöße. Die Begegnung mit Ricardo Scheuerer machte deutlich, wie sehr gelingende Teilhabe von Offenheit, gegenseitigem Verständnis und der Bereitschaft abhängt, die Perspektive anderer Menschen einzunehmen.